Viva México!
Tecnológico de Monterrey ("TEC")
Die mexikanische Universität Tecnológico de Monterrey ist eine private und sogenannte "freie" Universität. Sie genießt einen ausgezeichneten internationalen Ruf und betreibt verschiedene Niederlassungen in den vereinigten Staaten von Mexiko. Die Austauschstudierenden des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen studieren wegen des korrespondierenden Studienangebots am Campus Monterrey im mexikanischen Bundesstaat Leon.

- Tecnológico de Monterrey, Campus Monterrey, Nuevo Leon
Andrea Ehrensberger und Christoph Herdlitschka studieren beide Wirtschaftsingenieurwesen in der Fachrichtung Internationales Technisches Vertriebsmanagement. Sie sind die ersten Studierenden der Dualen Hochschule Mosbach, die Gelegenheit hatten, ein Semester an der Universität Technológico de Monterrey zu absolvieren. Beide qualifizierten sich für dieses Austauschsemester, erhielten ein Baden-Württemberg-Stipendium und haben als "Pioniere" den Weg für die bereits nachkommenden Studierenden geebnet.

- Andrea Ehrensberger und Christoph Herdlitschka
Im Folgenden schildern sie ihre Erfahrungen und Erlebnisse:
Am späten Nachmittag des 3. Januar 2008 kamen wir nach einem kurzen Zwischenstopp in Chicagos O´Hare, in Monterrey, Mexiko an. Da wir bereits von Deutschland aus Kontakte ins Land der Kakteen geknüpft hatten, wurden wir von einem mexikanischen Bekannten vom Flughafen abgeholt. Schon bei der Fahrt durch die Stadt merkte man die riesigen Dimensionen. Mit ihren knapp 4,5 Millionen Einwohnern im Ballungsraum ist Monterrey die drittgrößte Stadt Mexikos. Bereits vom Flugzeug aus entdeckten wir den beeindruckenden Berg „Cerro de la Silla“, der sich mit seiner Form perfekt ins Stadtbild einprägt.

- Ciudad de Monterrey mit Cerro de la Silla im Hintergrund
Direkt vom Flughafen aus fuhren wir an den Campus, wo wir weiter staunen konnten. Zwar war es dunkel, als wir das TEC-Gelände betraten, aber man konnte sich schon mal ausmalen, welch große Dimensionen der Campus dieser privaten Elite-Universität haben musste.

- Campus Monterrey
Am nächsten Morgen, als wir die TEC noch mal besichtigten, wurden wir in unserer Vermutung bestätigt: der Campus ist rießig. Solche Ausmaße einer Universität kannten wir natürlich von Mosbach nicht. Der Campus verfügte nicht nur über ein Football-Stadion, das über 35.000 Sitzplätze hat, über eine Basketballhalle, Fitnessstudio, Tennisplätze, Theater, Schwimmhalle, Kongresszentrum, sondern zudem noch über 4 Cafeterien, eine 5-stöckige Bibliothek, einen Starbucks Coffee und einen Apple Store.

- Football Stadion
Außerdem hätte sich das 15-stöckige Verwaltungsgebäude auch in der Frankfurter Skyline nicht verstecken brauchen. Die mexikanische Gastfreundlichkeit, die wir in den ersten Tagen in Monterrey erfahren durften, war auch in der Einführungswoche für die ausländischen Studenten spürbar. Zwar hatten wir bei der Kurswahl einige Probleme, da sich im Zahlungssystem der Stipendien ein Fehler eingeschlichen hatte. Die Begründung für die Schwierigkeiten lag darin, dass wir die ersten Studenten der Dualen Hochschule Mosbach waren, die ein Baden-Württemberg-Stipendium erhielten. Doch durch einige Zufälle kamen wir bei einer Einführungsveranstaltung in Kontakt mit dem Direktor der Universität der sich dann innerhalb weniger Stunden um unser Anliegen kümmerte und das Problem löste. Und dann ging es auch schon los mit dem Universitätsalltag. Mit unseren 650 ausländischen Kommilitonen, aus 53 verschiedenen Ländern, und den 20.000 mexikanischen Studenten starteten wir am 14. Januar 2008 unser Studium in Mexiko.
Das Universitätssystem in Mexiko gestaltet sich anders als in Deutschland. Der erste Unterschied wurde uns gleich am Anfang unterbreitet, denn es werden jeden Monat Exams abgehalten, um den vorher erlernten Stoff abzufragen. Dazu kommt am Ende des Semesters noch das Final-Exam, das nur ca. 20% der Endnote ausmacht. Die Hausaufgaben, die man in den einzelnen Kursen erhält, sind zu erledigen und müssen auch abgegeben werden. Es herrschen also strenge Regeln an der TEC, die wir vorher nicht erwartet hatten. Aber wir als deutsche Studenten, die ja überall (auch in Mexiko), als sehr pflichtbewusst und pünktlich gelten, gewöhnten uns sehr schnell daran. Da wir viele Gruppenarbeiten in internationalen Teams machen mussten, lernten wir die verschiedenen Kulturen und die Vor- und Nachteile der Zusammenarbeit mit ihnen kennen.

- Internationaler Jahrgang an der TEC 2008
So vergingen die ersten Wochen in unserem neuen Studienland recht schnell und die Semana Santa (Woche vor Ostern), besser durch die Amerikaner bekannt als Spring Break, rückte immer näher. Die freie Woche nutzten wir sinnvoll mit einem Road-Trip auf der Baja California Sur, um die endlosen Kakteen-Landschaften zu entdecken, die einzigartige Chance Grauwale zu sehen und anzufassen, wahrzunehmen und mit den Einheimischen noch besser in Kontakt zu kommen.
Nach erfolgreich bestanden Prüfungen und deutlich verbesserten Spanischkenntnissen konnten wir die letzten drei Wochen bis zum Heimflug nach Deutschland mit einer Rundreise quer durch Mexiko verbringen und einzigartige Landschaften, interessante Menschen und die vielfältige Kultur erfahren. Besonders im Süden des Landes waren die Unterschiede zum industriellen Monterrey spürbar.
Während im Norden, in Monterrey, das Leben schon sehr amerikanisiert abläuft, sind im Süden Mexikos deutlich die Traditionen, aber auch die Armut der indigenen Bevölkerung zu erkennen.
Auf Entdeckungstouren zu den Azteken- und Maya-Stätten, hatten wir die einmalige Gelegenheit die Jahrhunderte alte Geschichte des Landes bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen.
Die letzten Tage verbrachten wir an den weißen Sandstränden der traumhaften, türkisen karibischen See, bevor wir Anfang Juni unsere Heimreise antreten mussten.
Abschließend bleibt uns nur noch zu sagen, dass das Semester in Mexiko ein einmaliges Erlebnis war, nicht nur aufgrund des gelernten akademischen Knowhows sowie der landschaftlichen und kulturellen Eindrücke, sondern viel mehr wegen der vielen Freundschaften, die wir dort schließen konnten.
Viva España!
Universidad Politécnica de Valencia
Die spanische Universität Politécnica de Valencia, ist eine große, moderne Universität mit einer renommierten Geschichte. Sie genießt internationale Bedeutung und unterhält verschiedene Standorte. Die Austauschstudierenden des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen studieren wegen des korrespondierenden Studienangebots am Campus Alcoy. Die stark von der maurischen Geschichte geprägte Stadt Alcoy liegt etwa 150 Kilometer landeinwärts, von Valencia aus gemessen, in der gleichnamigen Comunidad Autónoma.

- Universidad Politécnica Superior de Alcoy
Maik Neitzel, Student des Wirtschaftsingenieurwesens in der Fachrichtung Internationales Technisches Vertriebsmanagement an der DHBW Mosbach, war gemeinsam mit einem Studierenden des Campus Bad Mergentheim einer der Pioniere, die das Auslandssemester am Campus von Alcoy absolviert haben. Im folgenden Bericht schildert er seine Erlebnisse und Eindrücke, die er auf der iberischen Halbinsel gesammelt hat:

- Maik Neitzel
Am 30. Januar 2008 reiste ich mit einem Studienkollegen von Stuttgart gen Süden, direkt nach Valencia. Mit meinen Spanischkenntnissen vom Gymnasium machte ich mich auf dem Weg. Schon auf dem Flughafen in Valencia fand ich alles sehr sympathisch, da die südländische Lebensweise auf mysteriöse Weise sofort auf mich übersprang. Ich war zwar zum ersten Mal in meinem Leben in Spanien, habe mich dort aber sofort wohl gefühlt. Obwohl die Verständigung nicht gleich ideal funktionierte, wurde mir auch nach mehrmaligem Nachfragen immer noch freundlich Antwort gegeben.

- Blick über die Dächer von Alcoy
Nach einem ersten Spaziergang durch Valencia und der ziemlich langen Zugfahrt durch das spanische Bergland kamen wir dann abends in Alcoy an. Wir wurden von unserer Mentorin am Bahnhof abgeholt und fuhren mit dem Bus ins städtische Studentenwohnheim, wo ich auch die ersten Nächte verbracht habe. Alcoy ist eine Stadt mit knapp 60.000 Einwohnern und daher recht überschaubar. Mit den antiken Gebäuden, zahlreichen Brücken und verwinkelten Gassen strahlt die Altstadt einen ganz besonderen Charme aus.

- Kleine Gasse in der Altstadt von Alcoy
Als die Studienzeit begann, waren erst einmal ein paar Formalitäten zu klären, was sich dank der freundlichen und hilfsbereiten Betreuung durch das internationale Büro der Hochschule problemlos erledigen ließ. Die Vorlesungen waren gut strukturiert und die Professoren sehr hilfsbereit und motiviert. Die Organisation und die Vorlesungen an der Escuela Politécnica Superior de Alcoy entsprechen ziemlich dem deutschen Verständnis, d.h. die Studierenden werden durchaus mit in die Veranstaltung involviert. Darüber hinaus werden zu jedem Modul verschiedene Praktika abgehalten bei denen in Einzel- und Gruppenarbeiten die Theorie der Vorlesung in die Praxis umgesetzt wird. Generell gab es eine sehr gute Betreuung und Informationsverbreitung durch die Dozenten, da die Hochschule über ein Intranet verfügt, das rege von Studierenden und Lehrbeauftragten zum Informationsaustausch genutzt wird.
Während der Zusammenarbeit mit den anderen Studierenden habe ich viel Wertvolles gelernt, vor allem im Zusammenhang mit Teamwork und Interkulturellem. Es war sehr interessant, die verschiedenen Lösungswege zu sehen und dann gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten. Ich denke, dass mir diese Erfahrung auch im zukünftigen Berufsleben eine große Hilfe sein wird.
Schwierig am Studium war zu Beginn des Semesters vor allem die Sprache , da doch einiges dazugehört, um der Vorlesung konsequent drei Stunden lang folgen zu können. Mit begleitenden Sprachkursen wurde dieses Problem allerdings gelöst. Die Integration in den spanischen Alltag war zwar auch eine Herausforderung, hat sich aber letztendlich als nicht besonders schwierig herausgestellt, da man als Student doch sehr viele Leute kennen lernt und auch einen guten Einblick in die spanische Lebensweise bekommt.

- Vor dem Eingangsportal der EPSA
Die Osterferien, “la semana santa” - wie es auf spanisch heißt, wurden durch die “festivos alumnos” eingeleitet. Das besondere Highlight der Fete war die große Paella, die traditionsgemäß in einer riesigen Pfanne über offenem Holzfeuer zubereitet wurde. Ein paar Tage nach den Feierlichkeiten habe ich meine Sachen gepackt und bin auf eine Rundreise gegangen, um mir ein paar spanische Städte anzuschauen. Die ersten Stationen waren die andalusischen Städte Granada und Sevilla. Die Städte sind vor allem wegen ihrer Bauwerke aus der Besetzungszeit durch die Mauren bekannt und über das ganze Jahr hinweg beliebte Reiseziele. Weiter ging die Reise dann nach Portugal, wo ich mit Studienfreunden nach Lissabon und Porto gefahren bin. Mit meinen mittlerweile gefestigten Sprachkenntnissen war sogar eine Konversation mit Portugiesen möglich und ich habe es geschafft, mir ein anständiges Zimmer zu besorgen. Nach intensiven Stadttouren und einer Portweinprobe waren die Ferien dann auch leider wieder vorbei und ich musste zurück nach Alcoy.

- Traditionelle Paella Valenciana
Natürlich war das nicht die einzige Reise, die ich während meines Aufenthaltes bestritten hatte. Im Mai machten wir noch eine Tour mit dem Bus, von Valencia nach Barcelona. Dazu muss man sagen, dass Busfahren in Spanien sehr beliebt ist und die Busbahnhöfe (bei uns eher stiefmütterlich beäugt) wahrliche Umschlagspunkte für Personentransfer darstellen. Die Stadt selbst ist meiner Meinung nach die schönste Stadt Spaniens. Die Lage, die Bauwerke und das Leben ist einzigartig. Sehenswürdigkeiten sind natürlich sämtliche Bauwerke Gaudis und vor allem die Kirche “La Sagrada Familia”. Aber auch ein Blick über die Hügel der Stadt ist traumhaft und jedem zu empfehlen. Drei Tage verbrachte ich in der Metropole, bevor ich wieder die lange Bustour zurück nach Alcoy antrat.
Das letzte Event von Alcoy war gleichzeitig das größte Fest des Jahres. “Moros y Cristianos” heißt das Stadtfest, das die Schlachten um die Stadt zwischen den Christen und den Mauren jedes Jahr auf das Neue darstellt. Mit imposanten Festzügen, nachgestellten Schwertkämpfen und Musketenschlachten sowie einer religiösen Zeremonie wird die Befreiung der Stadt durch die christlichen Truppen und der Stadtpatron St. Jordi von den Bewohnern gebührend gefeiert. Natürlich gab es auch hier Paella für alle umsonst.

- Moros y Cristianos in Alcoy
Es war ein tolles halbes Jahr, das ich in diesem wunderschönen Land verbringen durfte und seitdem denke ich immer gern an die Zeit zurück. Ich habe viele neue Bekanntschaften gemacht, einen Einblick in eine andere Kultur und Lebensweise gewonnen und vor allem jede Menge akademische Kenntnisse und Erfahrungen gesammelt. Für dieses Auslandsprogramm würde ich auf jeden Fall immer wieder entscheiden.



